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Das ebene mathematische Pendel

Eine punktförmige Masse $ m$ ist an einem starren masselosen Stab der Länge $ l$ aufgehängt und schwingt reibungsfrei im Schwerefeld $ {\mathbf g}$. Es sei $ \phi{}(t)$ der Auslenkungswinkel aus der Ruhelage $ \phi = 0$. Der Stab mit Anfangsauslenkung

$\displaystyle \phi (0) = \phi_0$ (5.16)

und der Stab in der Ruhelage $ \phi = 0$ bilden eine Ebene. Das Pendel schwingt in der Ebene. Das Pendel schwingt in dieser Ebene wenn es mit Anfangswinkelgeschwindigkeit

$\displaystyle \dot{\phi}(0)=0$ (5.17)

losgelassen wird. In diesem Fall reicht der Energiesatz um die Lösung zu finden. Die Gesamtenergie $ E$ ist erhalten, das heißt $ \dot{E} =0$ bzw. $ E=$const. Der Energiesatz lautet dann für die die zweidimensionale Bewegung:

$\displaystyle E=\frac{1}{2}m l^2 \dot{\phi}^2 + mgl(1-\cos \phi)$ (5.18)

Wir nehmen an $ E$ ist so klein, dass es stets einen Umkehrpunkt $ \phi_{max}$ (=maximale Auslenkung) gibt. Für $ \phi = \phi_{max}$ gilt

$\displaystyle \dot{\phi} = 0$ (5.19)

also

$\displaystyle E=mgl(1-\cos \phi_{max})$ (5.20)

also eingesetzt in ([*]) folgt

$\displaystyle \dot{\phi}^2+\frac{2g}{l}(\cos \phi_{max} - \cos \phi)=0$ (5.21)

und damit

$\displaystyle \frac{d \phi}{d t}= \sqrt{\frac{2g}{l}(\cos \phi - \cos \phi_{max})},$ (5.22)

oder nach Trennung der Variablen

$\displaystyle dt =\frac{d \phi}{\sqrt{\frac{2g}{l}(\cos \phi - \cos \phi_{max})}}$ (5.23)

Nun setzen wir $ (\sin \frac{x}{2}=\pm \sqrt{\frac{1-\cos x}{2}})$

$\displaystyle \cos x = 1-2\sin^2 \frac{x}{2}$ (5.24)

ein und finden

$\displaystyle dt = \frac{d \phi}{\sqrt{\frac{4g}{l}(\sin^2 \frac{\phi_{max}}{2}- \sin^2 \frac{\phi}{2})}}$ (5.25)

oder

$\displaystyle 2\sqrt{\frac{g}{l}} dt = \frac{d \phi} {\sqrt{\sin^2\frac{\phi_{max}}{2}- \sin^2\frac{\phi}{2}}}$ (5.26)

Nun setzen wir

\begin{eqnarray}k=\sin \frac{\phi_{max}}{2}\\
\sin \frac{\phi}{2}=k \sin u
\end{eqnarray}


und somit:

\begin{eqnarray}\phi = 2 \arcsin(k \sin u)\\
d\phi = 2 \frac{1}{\sqrt{1 - k^2 \sin^2 u}}k \cos u du
\end{eqnarray}


so dass folgt

$\displaystyle \sqrt{\frac{g}{l}} dt = \frac{1}{\sqrt{k^2-k^2 \sin^2 u}} \frac{1}{\sqrt{1-k^2 \sin^2 u}}k\cos u du.$ (5.27)

Schließlich folgt

$\displaystyle \sqrt{\frac{g}{l}} dt = \frac{du}{\sqrt{1-k^2 \sin^2 u}}$ (5.28)

und somit durch Integration von $ t=0$ bis $ t$ und $ \phi(t=0)=\phi_0$ bis $ \phi$

$\displaystyle \sqrt{\frac{g}{l}} t(\phi)= \int_{\arcsin(\frac{1}{k} \sin \frac{...
...} ^{\arcsin(\frac{1}{k} \sin \frac{\phi}{2})} \frac{1}{\sqrt{1-k^2\sin^2u}} du$ (5.29)

Dies ist ein elliptisches Integral, das sich nicht mehr weiter vereinfachen läßt. Man könnte es aber numerisch mit Gaussscher Quadratur auswerten und hätte mit $ t(\phi)$ dann auch die Umkehrfunktion $ phi(t)$ gefunden.

Statt das Integral direkt auszuwerten, könnte man auch eine nichtlineare Differentialgleichung direkt diskretisieren und lösen, um die numerische Lösung zu erhalten. Dazu wird der Energiesatz ([*]) einmal differenziert so dass dann folgt

$\displaystyle \dot{E}= 0 = ml^2 \dot{\phi} \ddot{\phi}+mgl\dot{\phi}\sin \phi  .$ (5.30)

Daraus folgt die Differntialgleichung

$\displaystyle \ddot{\phi}=-\frac{g}{l}\sin \phi$ (5.31)

für das ebene mathematische Pendel. Diese Gleichung ist wieder nichtlinear. Für kleine Auslenkungen $ \phi \ll 1$ ist $ \sin \phi
\approx \phi$ und man erhält als lineare Näherung

$\displaystyle \ddot{ \phi} = -\frac{g}{l}\phi,$ (5.32)

d.h. wieder den harmonischen Oszillator.


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© R.Hilfer et al., ICA-1, Univ. Stuttgart
28.6.2002